Forschung Freiwilligkeit


Die SGG fördert Forschung zum Thema Freiwilligkeit

Nur dank freiwilligen gemeinnützigen einzelner Personen konnte die SGG im Jahr 1810 gegründet werden. So liegt es nahe, dass die SGG sich vor rund einer Dekade dazu entschloss, angewandte und praxisrelevante Forschung im Bereich Freiwilligkeit auch finanziell zu fördern. Sie hat zu diesem Zweck 2003 die Kommission «Forschung Freiwilligkeit KFF» ins Leben gerufen.

Forschung anstossen und unterstützen
Die KFF leitet zum einen Forschungsprojekte in die Wege. Ein Beispiel dafür ist der Freiwilligen-Monitor. Zum andern nimmt sie Forschungsgesuche entgegen, beurteilt sie und leistet gegebenenfalls einen finanziellen Beitrag.

Drei englische Soziologinnen untersuchen die Freiwilligenarbeit bezüglich ihrer echten Freiwilligkeit. Sie stellen sehr unterschiedliche Gründe und Motive fest, die einen zur Freiwilligenarbeit bewegen. Darum schaffen sie vier neue Kategorien, um den unterschiedlichen Grad echter Freiwilligkeit zu erfassen. Die Forscherinnen Mihaela Kelemen, Anita Mangan und Susan Moffat thematisieren in ihrem Artikel «More Than a ‘Little Act of Kindness’? Towards a Typology of Volunteering as Unpaid Work» in der Zeitschrift «Sociology» eine wichtige Differenzierung der Freiwilligenarbeit. Sie reagieren mit dem Artikel auch auf die «Big Society»-Idee von Ex-Premierminister Cameron, die davon ausgeht, dass es ein unbegrenztes Reservoir an Goodwill in der Gesellschaft gibt, das es zur Förderung der Freiwilligenarbeit auszuschöpfen gelte. Auf Grund einer qualitativen Studie gelangten die Soziologinnen zu vier Kategorien von Freiwilligenarbeit, wobei bei allen Formen gleichzeitig ein individueller und ein kollektiver Nutzen erzeugt werden kann. Auch sind fliessende Übergänge zwischen den verschiedenen Formen der Freiwilligenarbeit möglich.

Altruistische Freiwilligenarbeit: Freundschaftlicher Akt fürs Gemeinwohl
Instrumentelle Freiwilligenarbeit: Egotaktische Motive: Kompetenzerweiterung
Militante Freiwilligenarbeit: Zielorientierter Aktivismus
Erzwungene «Freiwilligenarbeit»: Auferlegte oder erwartete gemeinnützige Arbeit

Die drei Autorinnen zeigen auf, dass in den letzten 30 Jahren ein marktgetriebener Diskurs die Freiwilligentätigkeit in ein hegemoniales neoliberales Modell der Arbeit gepresst hat. Freiwilligenarbeit werde in der Literatur immer stärker nach ihrem volkswirtschaftlichen Nutzen thematisiert. Und die erzwungene Freiwilligenarbeit – mit dem Begriff «Voluntolding» veranschaulicht – finde in immer versteckteren Formen statt: durch moralischen Druck im Corporate Volunteering, mit 1-Euro-Jobs, in unbezahlten Praktika, welche die Chance auf eine Arbeitsstelle erhöhen sollen, oder in Form des gemeinnützigen Dienstes als Alternative zu einer Geld- oder Gefängnisstrafe. Auf Grund all dieser kollektiven Zwänge und Herausforderungen gegenüber der unbezahlten Arbeit plädieren die Autorinnen dafür, dass bei der Freiwilligenarbeit die Motive Geselligkeit, Altruismus und Eigeninteresse wieder vermehrt in den Vordergrund gerückt werden.

 

Meistens sind es Soziologen, Arbeitspsychologinnen und Politologen, die sich wissenschaftlich mit Freiwilligenarbeit und mit der Motivation von Freiwilligen befassen. Ihre Studien haben wiederholt aufgezeigt, dass die Wertschätzung ein wichtiger Motivator für die unbezahlte Tätigkeit ist und dass monetäre Vergütungen die Motivation von Freiwilligen sogar schwächen. Die SGG hat mit Spannung die Studie von Bruno S. Frey und Jana Gallus zum Thema «Freiwillig? Ausgezeichnet! Eine ökonomische Analyse von Auszeichnungen im Freiwilligensektor» begleitet und unterstützt. Frey und Gallus haben die Wirksamkeit von Auszeichnungen, Preisen, Zertifikaten, Medaillen, Ehrennadeln, Trophäen, Pokalen, Orden und Ehrentiteln mit drei sich ergänzenden Methoden analysiert:

  • Feldexperiment bei Wikipedia-RedaktorInnen
  • Quantitative Querschnittstudie mit einer strukturierten Online-Umfrage bei 2000 Freiwilligenorganisationen der Deutschschweiz
  • halb-strukturierte Tiefeninterviews mit einem Dutzend Fachpersonen im Bereich Freiwilligenarbeit und Auszeichnungen (u.a. Bruno Staffelbach, Georg von Schnurbein, Theo Wehner und Roman Herzog).

Das Autorenteam hat den Ansatz der empirisch orientierten Ökonomie verwendet. Der ökonomische Ansatz postuliert nicht – wie der Laie vielleicht meinen könnte –, dass Geld der höchste Motivator menschlicher Arbeit ist, sondern dass Menschen systematisch auf intrinsische oder extrinsische Anreize reagieren und dass somit ihre Reaktionen auf Interventionen von aussen vorausgesagt werden kann. Bei Auszeichnungen handelt es sich um Anreize, die von aussen gesetzt werden und gleichzeitig den inneren Antrieb beeinflussen.

Firmen und NPOs ticken nicht so anders

Unternehmen und soziale Freiwilligenorganisationen werden in der Regel als gegensätzlich betrachtet: Verträge versus Absprachen, Lohn versus Wertschätzung, extrinsische versus intrinsische Motivation, Verdienst versus Sinnfindung, Gewinnmaximierung versus Philanthropie, Eigennutz versus Gemeinnutzen. Die Autoren zeigen jedoch auf, dass bei genauerer Untersuchung die grundlegenden Gemeinsamkeiten zwischen Profit-Unternehmen und Non-Profit-Organisationen überwiegen. In beiden Organisationsformen sind klare Leitbilder und Verantwortlichkeiten sowie die Förderung und Einbindung der Mitwirkenden in Entscheidungsstrukturen wichtig. Und bei beiden ist die Motivation ihrer Mitglieder unerlässlich. Unternehmen können ihre Beschäftigten nicht allein durch äussere Anreize motivieren. Intrinsische Anreize, die in Freiwilligenorganisationen fundamental wichtig sind, spielen auch in konkurrenzfähigen Firmen eine signifikante Rolle. Das Management einer erfolgreichen Unternehmung muss sich darauf verlassen können, dass Angestellte aus innerer Freude an der Tätigkeit wirken, wenn formelle Vereinbarungen und deren Einhaltung schwierig, zu kostenintensiv oder gar unmöglich sind. Die Kreativität der Mitarbeitenden hängt massgeblich davon ab, ob sie an der Arbeit selbst interessiert sind. In Bezug auf nicht-materielle Auszeichnungen haben diese gegenüber finanziellen Anreizen wie Boni zudem den Vorteil, dass sie öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen sowie das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeitenden zu ihrer Organisation und den sozialen Status der Geber stärken.

Fazit 1: Unternehmen können in Bezug auf Mitarbeitermotivation von Freiwilligenorganisationen einiges lernen.

Auszeichnungen wirken auch virtuell

Die Fallstudie bei Wikipedia beschäftigt sich mit der grundlegenden Frage, ob Auszeichnungen überhaupt wirksam sind und die gewünschte Wirkung auf den Arbeitseinsatz von Freiwilligen erzielen. Weil ein hoher Anteil von Wikipedia-Autoren nur einen einzigen Beitrag leistet und dann ausscheidet, wurde im Feldexperiment eine neue Auszeichnung eingeführt (“Edelweiss”), mit der die Beiträge von Verfassern geehrt wurden. Monatlich wurde ermittelt, welche Editoren im Vormonat zum ersten Mal einen Beitrag zu Wikipedia geleistet hatten. Eine fixe Anzahl von ihnen wurde ausgezeichnet. Die übrigen Editoren erhielten keine Auszeichnung und dienten als Vergleichsgruppe. Die Auszeichnung wurde jeweils auf den Diskussionsseiten der Gewinner platziert und deren Namen wurden auf einer eigens eingerichteten Auszeichnungsseite des nationalen Wikipedia-Portals Schweiz aufgeführt. Die Wirkung war frappant. Der Anteil der Editoren, die sich weiter an der Arbeit von Wikipedia beteiligen, ist im Folgemonat um 25 Prozent gestiegen. Ohne Auszeichnung blieben nur 35 Prozent aktiv. Unter den Ausgezeichneten blieben hingegen 43 Prozent dabei. Diese Auswirkungen galten sowohl kurz- als auch längerfristig. Auszeichnungen sind folglich fähig, die Motivation von Freiwilligen markant und dauerhaft zu festigen und sogar zu steigern. Dieser Effekt ist umso erstaunlicher, als die Auszeichnungen an Pseudonyme verliehen wurden und sich keinerlei materielle oder nicht-materielle Vorteile – wie zum Beispiel eine Statuserhöhung im Bekanntenkreis – einstellen konnten.

Fazit 2: Auch bei den Online-Freiwilligen ist die Motivation primär intrinsisch. Und auch virtuelle und anonyme Auszeichnungen steigern die Motivation zur Freiwilligenarbeit.

 Freiwilligenorganisationen handeln nicht immer logisch

Die Online-Umfrage bei 2000 von rund 60'000 Freiwilligenorganisationen in der Deutschschweiz hat gleich mehrere Verhaltensweisen von Freiwilligenorganisationen zum Vorschein gebracht, die zum Nachdenken anregen. So vergeben 62% der Freiwilligenorganisationen keine Auszeichnungen, obwohl 75% der leitenden Personen in den Organisationen fanden, dass Auszeichnungen ein geeignetes Mittel seien, um neue Freiwillige zu gewinnen. Und 59% der Befragten waren auch der Meinung, dass Auszeichnungen positiv auf Freiwillige wirken, die bisher keine Auszeichnung erhalten haben. 58,1% der Organisationen vergeben Ehrentitel, 33,8% sprechen öffentliches Lob aus, 29,7% verleihen Zertifikate, 17,2% vergeben Medaillen, 12,4% Ehrennadeln und 8,7% Trophäen. Rund ein Drittel der Organisationen vergeben weitere Formen von Auszeichnungen wie beispielsweise Sozialzeitausweis, Geschenke, Gutscheine, Dankesessen, Blumen, Wein, Belobigungen in der Clubzeitschrift sowie Dank und Ehrung an der Generalversammlung. 83% der Organisationen zeichnen Einzelpersonen aus. Nur 9% zeichnen auch Gruppen aus. Bei 89% der Organisationen ist überdurchschnittliches Engagement ein wichtiges Kriterium für die Verleihung von Auszeichnungen. Die Dauer der Zugehörigkeit zur Organisation wird von 84% der Freiwilligenorganisationen als Grund für die Verleihung von Auszeichnungen genannt.

Fazit 3: Die Vergabe von Auszeichnungen ist in vielen Freiwilligenorganisationen noch kein Teil der strategischen Planung.

Fachpersonen liefern Inputs

Die zwölf Personen, die sich professionell mit Freiwilligenarbeit und/oder der Vergabe von Auszeichnungen befassen, haben die in der Online-Umfrage und im Wikipedia-Experiment gewonnenen Erkenntnisse weitgehend bestätigt. Die meisten ihrer Aussagen überraschen wenig. Einige Gedanken könnten und sollten jedoch einen Impact für die Zukunft haben:

  • Die Ökonomisierung der Welt, die als wertvoll erfahren lässt, was Geld kostet und bringt, setzt Organisationen des Freiwilligensektors ähnlich wie die Wissenschaft zunehmend unter Druck. Unter diesem Gesichtspunkt bilden nicht-monetäre Auszeichnungen ein wichtiges Gegenstück zur Monetarisierung der Arbeit.
  • Noch besteht keine Gefahr einer Inflation von Auszeichnungen im Freiwilligenbereich. Die fast selbstverständlich gewordenen finanziellen Auszeichnungen im ersten Arbeitsmarkt (Boni) haben hingegen ihre positive Wirkung auf die Arbeitsmotivation längst verloren. Darum ist ein Overkill an immateriellen Auszeichnungen umso mehr zu vermeiden.
  • Betreuungsgutschriften für fragile Angehörige, welche wie die Kinderbetreuung bei der AHV anrechenbar oder wie Spenden von den Steuern abziehbar sind, werden in Zukunft immer stärker ein Thema auf der politischen Agenda werden.
  • Die positive und langfristige Wirkung von Auszeichnungen auf die Empfangenden, auf die gebenden Organisationen sowie auf die Öffentlichkeit sollten näher erforscht werden.
  • Zur Stärkung der Motivation von Freiwilligen sollte man nicht nur auf Auszeichnungen setzen. Vernünftige Aufgaben sowie die organisationale Zugehörigkeit sind die wichtigsten Motivationsfaktoren für die Freiwilligenarbeit.
  • Freiwilligenorganisationen müssen sich noch stärker auf die Mobilität ihrer Mitglieder einstellen.

Fazit 4: In den nächsten Jahrzehnten kommen grosse soziale und demografische Veränderungen auf die Freiwilligenorganisationen und auf die Zivilgesellschaft überhaupt zu. Die Forschungstätigkeit in diesem Bereich wie auch das Einbringen dieser Themen in die politische Agenda sind unerlässlich.

Knigge für die Vergabe von Auszeichnungen

Das Forscherteam Bruno S. Frey und Jana Gallus schliesst seine Analyse ab mit einem für die Praxis wertvollen Katalog von Elementen und Kriterien, die bei der Vergabe von Auszeichnungen besonders zu berücksichtigen bzw. unbedingt zu vermeiden sind. Dieser Knigge gilt nicht nur für soziale Freiwilligenorganisationen, sondern genauso für gewinnorientierte Firmen und staatliche Behörden. In Freiwilligenorganisationen sind Auszeichnungen jedoch mit einer zusätzlichen Sensibilität anzuwenden, weil den freiwillig Tätigen durch Auszeichnungen die Möglichkeit genommen werden könnte, ihr Engagement als rein absichtslose gute Tat darzustellen.

  • Auszeichnungen sind Teil einer umfassenden Anerkennungskultur. Sie sind nicht wie der Muttertag ein Ersatz, eine Kompensation oder ein Alibi für eine kontinuierliche ganzjährige Wertschätzung.
  • Auszeichnungen sollen Autonomie und Unabhängigkeit der Ausgezeichneten betonen. Bei der Preisvergabe das freiwillige, selbstbestimmte Engagement unterstreichen.
  • Treues Engagement und Innovation statt einzelne Helden-Taten ehren.
  • Mit immateriellen Ehrungen und bescheidenem Rahmen wirken Organisationen glaubwürdiger.
  • Auszeichnungen sollen kompetent begründet werden, um den Eindruck einer Instrumentalisierung für Marketingzwecke in eigener Sache zu vermeiden.
  • Auszeichnungen sind Überraschungsgesten und keine automatischen Pseudo-Boni.
  • Auszeichnungen würdigen auch das Umfeld der ausgezeichneten Personen und stärken dadurch das Gemeinschaftsgefühl.
  • Das entscheidende Vergabegremium bewusst wählen: ein Mix aus Leitung oder ExpertInnen.
  • Auszeichnungen müssen vom Umfeld als gerecht empfunden werden. Distanz zwischen Ehrenden und Geehrten ist unerlässlich.
  • Auszeichnungen sind kontextabhängig. Je nach Freiwilligenbereich existieren sehr unterschiedliche tradierte Rituale.
  • Zu häufig verliehene Auszeichnungen verlieren ihre Wirkung. Das kann sogar bei Heiligsprechungen passieren.
  • Zielgruppe kann variieren. Die Auszeichnung von Gruppen und Teams statt Einzelpersonen ist sinnvoll. Die Ehrung von Freiwilligen-KoordinatorInnen kann sehr wirksam sein. Auch Aussenstehende können für ihre politische, moralische oder finanzielle Unterstützung der Freiwilligenorganisation geehrt werden.
  • Auszuzeichnende checken. Die Verleihung an zweifelhafte Personen schadet der Reputation der Organisation und der Auszeichnung.
  • Die Vergabe von Freiwilligen-Preisen an Organisationen sollte öffentlich ausgeschrieben werden, damit sich diese aus eigener Initiative bewerben.
  • Die Sichtbarkeit bei der Vergabe von Auszeichnungen (Medien, Behörden) ist wichtig.

Fazit 5: Selbst bei der Vergabe von Auszeichnungen genügt es nicht, dass sie gut gemeint sind.

Lukas Niederberger

Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft SGG unterstützt die Forschung Freiwilligkeit und hat dafür eine eigene Kommission eingerichtet; diese fördert Forschungsvorhaben im Themenbereich.

Die SGG unterstützt und begleitet aktuell folgende Forschungsarbeiten und wird sie nach Abschluss auf dieser Seite präsentieren und allenfalls im Seismo-Verlag in Buchform veröffentlichen:

Bruno S. Frey / Jana Gallus: Freiwillig? - Ausgezeichnet! Eine empirische Analyse der Effekte von Auszeichnungen auf Motivation und Leistung im Freiwilligensektor

Janine Voit (EHB/IFFP/IUFFP) u.a.: Engagement des jeunes dans les activités bénévoles et développement des compétences

Markus Lamprecht, Hanspeter Stamm: Die Sportvereine im Wandel. Eine Analyse der Entwicklung und Perspektiven der Schweizer Sportvereine unter besonderer Berücksichtigung der Freiwilligenarbeit

Stefan Güntert: Wertekongruenz als Erfolgsfaktor für nachhaltige Freiwilligkeit. Eine Analyse der Bedeutungsfacetten und Wirkmechanismen

Hier finden Sie die Richtlinien für die Eingabe eines Forschungsgesuchs.

Kontakt
Präsident der Forschungskommission, Dr. Peter Farago, E-Mail
Geschäftsleiter der SGG, Lukas Niederberger, E-Mail

Die  Bücher-Reihe Freiwilligkeit wird vom Verlag Seismo in Zusammenarbeit mit der SGG herausgegeben

Zivilgesellschaft in der Schweiz
Die vorliegende Studie nimmt gegenwärtige Debatten zur Zivilgesellschaft zum Anlass, erstmalig die lokalen Bestände und Bedingungen des freiwilligen Vereinsengagements schweizweit auszuleuchten. Neben einer Erhebung der Vereinsstrukturen in über 1200 Kommunen wurden in 60 repräsentativen Gemeinden auch die Bürgerinnen und Bürger zu ihrem Vereinsengagement sowie zu ihren Einschätzungen bezüglich des Vereinslebens befragt. Im Zentrum steht die Analyse der lokalen kulturellen, strukturellen und politischen Rahmenbedingungen von Freiwilligkeit. Insbesondere wird der Versuch unternommen, lokale Instrumente zur Förderung der Freiwilligkeit mit dem tatsächlichen Engagement der Einwohner in Bezug zu setzen und einen Eindruck über die Wirksamkeit kommunaler «Engagementpolitik» zu vermitteln. Während das Ausmass lokaler Freiwilligentätigkeit eine grundlegend kulturell bedingte Grösse darstellt, besteht die Wirkung politischer Gestaltungsversuche in der egalisierenden Ausweitung freiwilliger Tätigkeit auf breitere Bevölkerungsschichten. Kurz: Kultur bestimmt die Quantität, Politik die soziale Qualität lokaler Vereinstätigkeit.

Richard Traunmüller, Isabelle Stadelmann-Steffen, Kathrin Ackermann, Markus Freitag Zivilgesellschaft in der Schweiz. Analysen zum Vereinsengagement auf lokaler Ebene. 2012, 240 Seiten, ISBN 978-3-03777-113-6. 

Präsentation Prof. Markus Freitag, Januar 2013

Doris Aregger: Dissertation „Freiwillig Engagierte – Engagierte Freiwillige. Wer sind die Schweizer Freiwilligen und was leisten sie? Eine empirische Analyse der Determinanten der Freiwilligenarbeit in der Schweiz PDF

Romualdo Ramos / Theo Wehner u.a.: Busy Yet Socially Engaged: Volunteering, Work–Life Balance and Health in the Working Population PDF

Lukas Scherer / Daniel Jordan: Workshop der GGKS: Wie gewinnen wir neue Freiwillige? Wie verbessern wir unsere öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung? PDF

Daniel Jordan / Alexandra Cloots: Quantitative Analyse der regulatorischen Vorschriften bei den gemeinnützigen Organisationen im Kanton St. Gallen PDF

schweizermonatDie Autorenzeitschrift "schweizer monat" thematisiert seit 1921 politische und gesellschaftliche Zeitfragen. Regelmässig gibt die Redaktion auch thematische Sondernummern heraus: im Oktober 2015 eine über das freiwillige Engagement in der Zivilgesellschaft. Die Schweiz ist diesbezüglich wie in manch anderen Bereichen ein Sonderfall: Das Land verfügt über ein vom Staat gefordertes und gefördertes Milizprinzip. Und gleichzeitig engagieren sich die Bewohnerinnen und Bewohner landesweit als Freiwillige in über 100'000 Vereinen sowie in der Nachbarschaft. Und das Stiftungswesen sowie die Spendenbereitschaft blühen ebenfalls. Die Artikel des Spezialheftes informieren über die zivilgesellschaftlichen Trends und wollen die Lesenden gleichzeitig sensibilisieren und ermutigen für ein gemeinnütziges Engagement.

Die Artikel und Interview-Inputs stammen von Barbara Bleisch, Monique Bär, Peter Sloterdijk,  Markus Freitag und Lukas Niederberger.

René Scheu (Hrsg)
Blühende Zivilgesellschaft. Vom Wert des freiwilligen Engagements
Autorenmagazin „Schweizer Monat“, Sonderthema 25
SMH Verlag, Zürich 2015, 32 Seiten, ISSN 0036-7400

PDF Blühende Zivilgesellschaft

Eine Kosten-Nutzen-Analyse in zehn Schweizer Gemeinden
Die Kosten-Nutzen-Studie des Migros-Kulturprozent in zehn ausgewählten Deutschschweizer Gemeinden zeigt, dass sich die Kooperation zwischen Gemeinden und Vereinen auch betriebswirtschaftlich lohnt.

Gemeinden brauchen Vereine und Vereine brauchen Gemeinden. Viele Untersuchungen zeigen auf, wie erfolgreich die Zusammenarbeit von Gemeinden und Vereinen gestaltet werden kann. Die vom Migros-Kulturprozent in Auftrag gegebene und von Prognos durchgeführte Studie untersucht erstmalig den Nutzen, welchen Vereine für ihre Gemeinden erbringen und versucht diesen anhand von Fallstudien zu quantifizieren. Papierversion bestellen

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Herausgeberin:
Cornelia Hürzeler, Migros-Kulturprozent

Weitere Materialien zum Thema Gemeinden und ihre Vereine finden Sie hier.

Verfasser der Studie:
Marcel Hölterhoff

Die Firma Prognos AG hat die Studie im Auftrag des Migros-Kulturprozent verfasst.

Das Bundesamt für Statistik wertet die unbezahlte Arbeit regelmässig aus und hat dazu verschiedene Dokumente publiziert. Informationen